Marco Polo
Marco Polo ist eines der Missionskonzepte, die gegenwärtig im Rahmen des Wissenschaftsprogramms Cosmic Vision 2015-2025 der europäischen Raumfahrtagentur ESA untersucht werden. Das wissenschaftliche Ziel der Mission ist die Rückführung einer Bodenprobe von der Oberfläche eines primitiven Asteroiden zur Erde. OHB führt im Auftrag der ESA eine industrielle Machbarkeitsstudie durch.
Als Missionsziel wurde der Asteroid 1999 JU3 ausgewählt. Das Raumsegment von Marco Polo besteht aus zwei Modulen, dem Hauptmodul, das mit einem System zur Entnahme der Bodenprobe ausgerüstet ist, sowie der Wiedereintrittskapsel. Das Gesamtsystem wird mit der Soyuz/Fregat Trägerrakete gestartet und verwendet einen chemischen Antrieb für den interplanetaren Flug zum 1999 JU3 und wieder zurück zur Erde. Die Missionszeit in der Umgebung des Asteroiden beträgt etwa 17 Monate. Bevor die Bodenprobe entnommen werden kann, wird eine globale Charakterisierung des Asteroiden 1999 JU3 durchgeführt, die einerseits die Grundlage für die spätere Landung darstellt und andererseits die wissenschaftliche Ausbeute der Mission erhöht. Die Landung und die Durchführung der Probenentnahme erfolgt autonom, so dass die Verweildauer auf der Oberfläche des Asteroiden möglichst kurz gehalten werden kann. Dies ist von besonderer Relevanz auf Grund der praktisch fehlenden Eigengravitation von kleinen Asteroiden (1999 JU3 hat einen Durchmesser von etwa 900 m). Die Bodenprobe wird in die Wiedereintrittskapsel transportiert, die vom Hauptmodul zur Erde gebracht wird. Der Wiedereintritt erfolgt mit einer Geschwindigkeit von etwa 12 km/s. Die Landung findet in der Woomera Wüste in Australien statt.
Als Hauptauftragnehmer führt OHB das Industrieteam und übernimmt die Verantwortung für den Entwurf des Hauptmoduls. Das von OHB angeführte Industrie-Konsortium besteht aus führenden europäischen Raumfahrtunternehmen, die im Rahmen ihrer Beteiligung besondere Aspekte dieser technologisch herausfordernden Mission abdecken.
