15.12.2006

Der Blick durch die Wolken

Der erste deutsche Aufklärungssatellit SAR-Lupe startet am 19.12.2006

Am Dienstag, 19.12.2006 um 15:00:19 Uhr (MEZ) startet der erste von insgesamt fünf SAR-Lupe Aufklärungssatelliten für die Bundeswehr vom russischen Weltraumbahnhof Plesetsk mit der COSMOS 3M Rakete in seine Umlaufbahn. Der von dem Bremer Raumfahrtunternehmen OHB-System AG entwickelte und gebaute Satellit hat die umfangreichen Testläufe im Satellitentestzentrum der IABG in Ottobrunn erfolgreich bestanden und wurde Anfang vergangener Woche zum russischen Startplatz Plesetsk südlich von Archangelsk transportiert, wo derzeit die letzten Vorbereitungen für den anstehenden Start getroffen werden.

Die weiteren vier Satelliten, die das Gesamtsystem vervollständigen, werden im Abstand von vier bis sechs Monaten gestartet.

Das SAR-Lupe-System

SAR-Lupe ist das erste satellitengestützte Aufklärungssystem Deutschlands. Es besteht aus fünf baugleichen Kleinsatelliten und einem Bodensegment zur Satellitenkontrolle, zum Empfang und zur Verarbeitung der Bilddaten.

OHB-System AG entwickelte als Hauptauftragnehmer des Bundesamts für Wehrtechnik und Beschaffung (BWB) das Gesamtsystem und hat die Federführung über ein Konsortium aus bekannten europäischen Raumfahrtunternehmen übernommen.

Durch die intelligente Kombination vorhandener Technologien kann SAR-Lupe rund um die Uhr unabhängig von Wetterbedingungen arbeiten. Dabei werden zeitnah hoch auflösende Radarbilder aus nahezu allen Teilen der Welt geliefert. Dazu wird SAR-Lupe die Erde in einer Höhe von etwa 500 Kilometern umkreisen. Die insgesamt fünf Satelliten sind dabei auf drei verschiedenen, ungefähr polaren Umlaufbahnen positioniert.

Um die Leistungsfähigkeit des Satelliten bereits am Boden zu demonstrieren, wurden bereits mehrfach so genannte Inverstests am Standort Bremen erfolgreich durchgeführt. Ein bisher einmaliges Testverfahren, bei dem die Satelliten am Boden auf Objekte im Weltraum wie die Internationale Raumstation ISS ausgerichtet werden und dann hochauflösende Radarbilder der Station im Weltraum aufnehmen. Der spätere operative Betrieb wird also in umgekehrter Richtung vollzogen. Die erwartete Auflösung wurde bei jedem Testlauf erreicht. Um über einen aussagekräftigen Vergleichswert zu verfügen, wurden parallel dazu Radar-Aufnahmen von der Forschungsgesellschaft für Angewandte Naturwissenschaften (FGAN) durchgeführte.

Haupteigenschaften eines SAR-Lupe-Satelliten

Der Satellit besteht aus einem Satellitenbus und der Radar-Nutzlast. Der spezielle Bus ermöglicht durch seine Dreiachsenstabilisation eine hochpräzise Ausrichtung des Satelliten auf die Stelle am Boden, die aufgenommen werden soll.

Die Gewinnung der Bilddaten erfolgt über eine fest mit dem Satellitenbus verbundene Parabolantenne. Ein spezielles Aufnahmeverfahren, das so genannte Synthetic Aperture Radar-, oder kurz SAR-Verfahren, ermöglicht es, aus den Radardaten hochauflösende Bilder zu berechen.

SAR-Lupe-Daten im Überblick

Anzahl der Satelliten 5, baugleich
Mittlere Höhe ca. 500 km, optimiert für hohe Auflösung
Bahninklination ca. polar, alle
Anzahl der Bahnebenen 3
Größe ca. 4 m x 3 m x 2 m
Gewicht ca. 720 kg
Lebensdauer 10 Jahre
Auftraggeber Bundesministerium der Verteidigung, Berlin/Bonn
Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung, Koblenz
Mission Generierung hochauflösender SAR-Bilder
(Radar mit synthetischer Bündelbreite)
für militärische Aufklärungszwecke

COSMOS 3M Trägerrakete

Schon seit Anfang der neunziger Jahre kooperiert die OHB-System AG sehr erfolgreich mit dem russischen Raumfahrtfirma POLYOT aus Omsk. Aus der erfolgreichen Zusammenarbeit im Bereich der Nutzung russischer Trägerraketensysteme zum Start verschiedener OHB-Kleinsatelliten ist das Unternehmen COSMOS International Satellitenstart GmbH entstanden. Die COSMOS-Trägerrakete wurde von POLYOT bereits in den sechziger Jahren entwickelt und hat sich seither in mehr als 760 Starts bewährt. Mit einer Erfolgsquote von mehr als 97% ist es eines der zuverlässigsten Startsysteme der Welt. Die COSMOS-Rakete ist optimal geeignet für den Transport von Kleinsatelliten in erdnahe Umlaufbahnen. Für die breite Parabolantenne der SAR-Lupe-Satelliten wurde die Raketenspitze, das so genannte Fairing, modifiziert und bei einem erfolgreichen Demonstrationsstart im Januar 2005 qualifiziert.

Haupteigenschaften der COSMOS 3M Startrakete

Integrationsmethode horizontal
Startmasse bis zu 109 metrische Tonnen
Länge 32,4 m
Raketendurchmesser 2,4 m
Nutzlastmasse bis zu 1500 kg
Nutzlastverkleidung 2,2 m Standarddurchmesser
Orbits 250 bis 1700 km

SAR-Lupe im Europäischen Aufklärungsverbund

SAR-Lupe wird Bestandteil des Europäischen Aufklärungsverbunds. Im Zuge des Projekts ESGA (Europäisierung der satellitengestützten Aufklärung), das anteilig von Deutschland und Frankreich finanziert wird, schafft OHB-System die technischen Voraussetzungen, um Frankreich eine Mitnutzung des deutschen Radarsystems SAR-Lupe zu ermöglichen. Deutschland erhält von Frankreich im Gegenzug den Zugriff auf das optische System HELIOS II. Die Nutzung der beiden Satellitensysteme im Verbund gilt als erster Meilenstein für eine europäische strategische Aufklärung. Die Verteidigungsministerien von Frankreich und Deutschland hatten ein entsprechendes Abkommen im Rahmen eines deutsch-französischen Gipfeltreffens vor vier Jahren in Schwerin beschlossen.

Genau bedeutet das: Deutschland erhält Zugriff auf das HELIOS II System, welches optische und infrarote Aufnahmen liefern kann. Im Gegenzug erhält Frankreich Zugriff auf das deutsche SAR-Lupe-System, welches unabhängig vom Wetter und der Tageszeit hochaufgelöste Radarbilder liefern wird. Um dieses Konzept zu realisieren, sind diverse Modifikationen am deutschen SAR-Lupe-Bodensegment notwendig. So werden Schnittstellen geschaffen, damit der Partner Frankreich Bilder der SAR-Lupe beauftragen und erhalten kann. Außerdem wird das System dahingehend erweitert, dass zukünftig auch weitere Partner eingebunden werden können.

Abschließende Informationen und Termine

Aktuelle Informationen über den Status des Satelliten nach dem Start werden von der OHB-System AG umgehend auf den gängigen Wegen veröffentlicht.

Am Montag, 18.12.2006 zwischen 11:00 und 13:00 Uhr besteht die Möglichkeit, Kurzinterviews mit dem Vorstandsvorsitzenden der OHB-System AG, Prof. Manfred Fuchs, zu führen. Bei Interesse bitten wir um eine vorherige Anmeldung.

Ansprechpartner für die Medien

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